Schafft Grün und schluckt Staub

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15.03.2016

Schafft Grün und schluckt Staub

Die Stuttgarter Baufirma Züblin hat gemeinsam mit dem Textilforschungsinstitut ITV Denkendorf eine Feinstaubwand entwickelt. Das Moos kann Staub binden und "verdauen". (Foto: WRS/Ina Giersch)Die Stuttgarter Baufirma Züblin hat gemeinsam mit dem Textilforschungsinstitut ITV Denkendorf eine Feinstaubwand entwickelt. Das Moos kann Staub binden und "verdauen". (Foto: WRS/Ina Giersch)

Moos ist eine Pflanze mit allerlei besonderen Eigenschaften: Manche Arten überstehen jahrelange Trockenzeiten, und es ist sogar ein Exemplar bekannt, das 1.500 Jahre im antarktischen Eis eingeschlossen war und anschließend munter weitergewachsen ist. Eine ganz spezielle Fähigkeit von Moos hat sich jetzt die Stuttgarter Baufirma Züblin gemeinsam mit dem Textilforschungsinstitut ITV Denkendorf zunutze gemacht und eine Feinstaubwand entwickelt: Moos kann Staub binden und verdauen, "verstoffwechseln", wie die Wissenschaftler sagen. Aus Feinstaub werde Moos.

"An besonders von Feinstaub betroffenen Stellen in Innenstädten kann unser Moos-Feinstaubpanel die Belastung senken", sagt Züblin-Projektleiter Andreas Kugler. Der erste Prototyp steht derzeit im Denkendorfer Institut und wird unter Laborbedingungen optimiert. Die in Modulen aufgebaute Wand kann an Straßen wie auch an Schienen eingesetzt werden und ist in bestehende Tunnelportale, Schutzplanken oder Lärmschutzwände integrierbar.

Am meisten Feinstaub, Kohlendioxid und Stickoxide bindet das Moos, wenn es immer leicht feucht ist. Dafür sorgt ein Bewässerungssystem, das Regenwasser sammelt und in der jeweils gewünschten Menge in die verschiedenen Regionen der Wand leitet. Ein spezielles Textil hält das Moos in der Vertikalen und ist für den Feuchtigkeitstransport notwendig. "Dafür haben wir auf Basis von Glasfasern und speziellen Textilien zum Wassermanagement ein intelligentes Bewässerungssystem entwickelt", erläutert ITV-Abteilungsleiter Christoph Riethmüller, der dem Prinzip der "lebenden Wand" generell eine große Zukunft voraussagt: "Living Walls werden beim Thema Nachverdichtung eine wichtige Rolle spielen, weil sie die Lebensqualität und die Akzeptanz bei den Bewohnern steigern", ist er überzeugt.

Noch dieses Jahr soll die Feinstaubwand öffentlich zu sehen sein, erstmals im Juli bei der Landesgartenschau in Öhringen. Auch mit einigen Städten in der Region ist Züblin in Kontakt. "Immerhin wurde in der Stadt Stuttgart bereits Feinstaubalarm ausgerufen, hier könnten wir zur Problemlösung beitragen", sagt Andreas Kugler.

An dem Projekt haben noch weitere Beteiligte ihren Anteil: Die Moosspezialisten vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart sowie die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH und die Innovationsallianz Baden-Württemberg, die den Kontakt der Bauingenieure zu den Wissenschaftlern hergestellt haben. "Von alleine wären wir nie auf die Idee gekommen, zum ITV zu gehen", so Kugler.

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