Sektoren innerhalb der VVS-Tarifzonen sollen fallen

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27.04.2016

Sektoren innerhalb der VVS-Tarifzonen sollen fallen

STUTTGART: Ein einfacher und gerechter VVS-Tarif ist ein zentrales Anliegen des Verbands Region Stuttgart. Heute haben die Regionalpolitiker im Verkehrsausschuss ihren lange gehegten Wunsch erneuert, die Sektorengrenzen innerhalb der der 50 Tarifzonen abzuschaffen. Sie fordern einmütig vom Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH (VVS) weitere Informationen über mögliche Auswirkungen, wenn die Segmente der Tarifzonen 30 bis 70 fallen. Ablehnend bis abwartend beurteilen die Verkehrspolitiker einen entfernungsabhängigen Tarif, wie er im Rhein-Main-Verkehrsverbund erprobt wird. 

Auf einen grundlegenden Zwiespalt bei der Tarifgestaltung wies Regionaldirektorin Dr. Nicola Schelling eingangs hin. Beim Tarif bewege man sich „im Spannungsfeld zwischen den Anforderungen der Fahrgäste, der Verkehrsunternehmen und der Politik.“ Der Verband Region Stuttgart habe in den letzten Jahren „vielerlei positive Anstöße“ zu Verbesserungen des VVS-Tarifs gegeben. Auch das Azubi-Ticket geht auf einen Impuls der Region zurück.  

Gerade im Umland drängt sich allerdings der Eindruck einer Benachteiligung beim Ticket-Preis auf, da dieser sich an der Entfernung und nicht am Verkehrsangebot orientiert. Verschärft wird dies, weil außerhalb der Landeshauptstadt (Zonen 10 und 20) die Tarifzonen zusätzlich mit Segmenten unterteilt sind. Der vom Verband Region Stuttgart seit Längerem geforderte Wegfall dieser Segmente in den Zonen 30 bis 70 würde einen Verlust von rund 5,2 Millionen Euro nach sich ziehen, wie VVS-Geschäftsführer Horst Stammler vorrechnete. Der Wegfall der Sektorengrenzen sei kein „Selbstläufer“. 

„Nicht nur die Fahrstrecke, auch das Angebot spielt bei den Preisen eine Rolle“, begründete Thomas Leipnitz (SPD). Die Sektorengrenzen in den Außenzonen müssten fallen, so die Auffassung seiner Fraktion. „Dieses realistische Ziel müssen wir weiterverfolgen“, so Eva Mannhardt (Grüne). Das Thema enthalte viele Chancen, denn die Tangentialverbindungen würden so günstiger und die Verbindungen ins Zentrum gegebenenfalls teurer. „Der Hang zur absoluten Gerechtigkeit macht den Tarif immer komplizierter und bringt uns nicht weiter“, sagte Rainer Ganske (CDU). „Das Angebot muss ein wesentlicher Teil des Tarifs sein, nicht nur die Entfernung“, so sein Plädoyer gegen einen entfernungsabhängigen Tarif. Darin sieht auch Bernhard Maier (Freie Wähler) eine „Benachteiligung des Umlands“. Eine mögliche Zusammenlegung der Tarifzonen 10 und 20 sei ein reines Stuttgarter Thema. „Die Region zahlt Großstadtpreise für Flachlandverkehr“, brachte es Wolfgang Hoepfner (Linke) auf den Punkt. Der Vorschlag von Armin Serwani (FDP), den großen Wurf zu wagen in Form eines Zweizonenmodells fand keine Mehrheit.

Pressemitteilung (als pdf-Datei)

 

Während alle Fraktionen einen Wegfall der Sektorengrenzen grundsätzlich begrüßen, ist das Sozialticket regionalpolitisch umstritten. Die Kaufmännische Vorständin der SSB-AG, Stefanie Haaks, berichtete über erste Erfahrungen damit in Stuttgart. 4,9 Millionen Euro jährlich lasse sich die Landeshauptstadt diesen Zuschuss für die freiwillige soziale Leistung kosten. Das sind 2,7 Millionen Euro mehr als die Höhe des Zuschusses vor Einführung des Sozialtickets. Damit einhergegangen sei eine Steigerung der Nutzer von 64 Prozent, ohne Berücksichtigung möglicher Verlagerungen.

 

Für Harald Raß (SPD) eröffnet das Sozialticket eine größere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. „Wir machen hier Tarifpolitik, nicht Sozialpolitik“, merkte Rainer Ganske (CDU) an. Es handele sich um ein Thema der Landkreise. Dem stimmte Frank Buß (Freie Wähler) „mit einer gehörigen Portion Skepsis“ zu. „Bei armen Menschen ziehen wir die Landkreisgrenzen wieder hoch“, wunderte sich Wolfgang Hoepfner (Linke). Dr. Burghard Korneffel (Innovative Politik) sprach sich dafür aus, die „richtigen Anreize“ zu schaffen. Armin Serwani (FDP) möchte vor einer Bewertung die detaillierte Evaluierung der Landeshauptstadt abwarten.

 

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