BARS Angel Portrait: Frank Motte

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19.04.2018

BARS Angel Portrait: Frank Motte

Im BARS Angel Portrait stellen wir diesmal Frank Motte vor. Er ist Vertretungsprofessor für BWL an der Hochschule Aalen und Geschäftsführender Gesellschafter der INVESTORIA GmbH. Er ist einer der drei Cofounder des Coworking- und Gründerzentrums wizemann.space. 2010 wurde er in den Heaven of Fame von BAND e.V. aufgenommen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, in Startups zu investieren? Was motiviert Sie dabei besonders?

Ich habe Ende der 80’er Jahre in New York gearbeitet. Das hat mich infiziert mit der Kultur des Ausprobierens, Veränderns, Heraustretens aus verstaubten Wegen. Als ich wieder zurück in Deutschland war, hatte ich das Ziel für mich nicht länger als Angestellter zu arbeiten. Ende der 90’er hatte ich dann zwei MBI’s hinter mir – und wollte nun andere mit meiner Erfahrung unterstützen. 1999 erfolgte dann mein erstes Investment.

Welche Eigenschaften sollte ein Business Angel Ihrer Meinung nach haben, um erfolgreich zu sein?

Er muss gut analysieren können und sich bei seinen Entscheidungen nicht von Emotionen leiten lassen. Und er muss nach seinem Einstieg gut zuhören können. Um nicht andere zu belehren, sondern zu begleiten.

Welche Vorteile haben Business Angel Netzwerke und was bringt es Business Angels, sich in einem Netzwerk zu organisieren?

Mein erstes Investment habe ich ganz alleine gemacht. Und dabei Glück gehabt. Schon der zweite Versuch sollte in einem Konsortium stattfinden – auch wenn die Beteiligung dann leider nicht zustande kam.
Gelernt habe ich aus meinen Beteiligungen während der New Economy, dass es den Austausch mit anderen braucht um gute Entscheidungen zu fällen.

In welche Branchen möchten Sie investieren? Hängt dies mit ihren beruflichen Kompetenzen und Erfahrungen zusammen? Welche Unternehmens- und Finanzierungsphasen sind für Sie dabei interessant?

Ich persönlich bin bei den Branchen nicht festgelegt. Von old bis new econmy habe ich schon in vieles investiert. Wichtiger ist mir das das Unternehmen in einer Nische tätig ist, in der es dann eine relative Marktbedeutung bekommen kann.
Ausgeschlossen sind bei mir alle Branchen die typischerweise einen sehr hohen Finanzmitteleinsatz fordern, da ich auch zusammen mit einem Konsortium dann nur eine kleine Zeitspanne finanzieren kann. Beispiele dafür sind Biotech oder Konzepte mit extrem hohen Marketing Etats.

Wie suchen Sie bzw. wie finden Sie Ihre Beteiligungsmöglichkeiten? Welche Qualitäten müssen Startups mitbringen, um Sie von einem Investment zu überzeugen? Was sind für Sie die größten Ausschlusskriterien für ein Investment?

Zum Glück kommen nach meiner nun schon fast 20-jährigen Aktivität als Business Angel viele Ideen über Kontakte direkt auf mich zu. Denn diese sind meist attraktiver als die breit vermarkteten.
Überzeugen muss mich vor allem das Gründerteam und sein absolutes Commitment zu ihrem Start up. Daher ist ein klares Ausschlusskriterium, wenn ein Start up nur „nebenbei“ oder als einer von mehreren betrieben wird. Halbschwanger gibt es ja auch nicht.

Wie können Sie mithelfen, dass die Startups, an denen Sie beteiligt sind, sich erfolgreich entwickeln und wachsen?

Ich sehe meine Aufgabe darin regelmäßig die Gründer und ihre Ideen zu challengen und auch bei guter Entwicklung auf eine klare Fokussierung zu achten. Zudem kann ich aus der eignen Berufserfahrung Know-how im Bereich Strategie, Finanzierung und Personal und zahlreiche Kontakte mitbringen.
Wichtig erscheint es mir auch den Gründern immer wieder verständlich zu machen, dass unternehmerische Tiefs und Krisen normal sind und die Gründer das Tal durchschreiten müssen.

Welche positiven und welche negativen Erfahrungen konnten Sie bislang mit der Partnerschaft mit jungen Unternehmen machen? Welche Kompromisse muss man z.B. eingehen, wenn man sich an Startups beteiligt?

Wichtig ist sich nicht durchsetzen oder mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Auch wenn man es mit 30 Jahren Berufserfahrung manchmal meint besser zu wissen oder Themen schon vorab auf das Unternehmen zukommen sieht, muss man die Gründer ihre eigenen Erfahrungen machen lassen.

Sind für Sie auch an Investments interessiert, an denen externe Investoren wie z.B. VC-Gesellschaften oder etablierte Unternehmen beteiligt sind? Was sind die Vor- und Nachteile bei der Kooperation mit zusätzlichen, externen Investoren?

Ein schwieriges Thema. Denn die wirkliche Macht hat normalerweise der, der auf dem größten Geldtopf sitzt. Und das ist meistens nicht der Business Angel. Daher ist eine Zusammenarbeit meistens leider schwierig. Ich selbst hatte aber zwei Fälle, in denen es wunderbar funktioniert hat. Jeder hat die Kompetenz des anderen anerkannt und Entscheidungen wurden nicht über die Macht des Geldhahns gefällt. Dann kann solch eine Kooperation sehr fruchtbar sein.

Was waren bislang Ihre besten und Ihre schlechtesten Erfahrungen bzw. Ihre größten Erfolge und Ihre größten Misserfolge?

Wie misst man Erfolg oder Misserfolge in diesem Zusammenhang? Nach meinem Verständnis nicht in Geld. Sondern in dem was die Gründer mit ihrem Angel zusammen aufgebaut, Arbeitsplätze geschaffen oder Technologien zum Durchbruch gebracht haben. Meine schönsten Erfolge sehe ich darin, wenn man mehrjährig offen und erfolgreich zusammenarbeitet. Wo man sich genseitig befruchtet und dies auch wertschätzt. Eine Beteiligung habe ich über den Börsengang hinaus 15 Jahre begleitet. Eine andere sieben Jahre. Obwohl ich durch die Verwässerungen über die Zeit nur noch ein sehr kleiner Gesellschafter war.
Einen Erfolg sehe ich auch darin, nach einem Exit von den Gründern (ich glaube an Teams) für die Zusammenarbeit bei der nächsten Gründung angesprochen zu werden. Misserfolg ist, wenn alles dieses nicht gelungen ist.

Meine schlechtesten Erfahrungen und dann auch Misserfolge habe ich mit Gründern gemacht, die mich menschlich enttäuscht haben, Vertrauen missbraucht und sich nicht an Absprachen und Vereinbarungen gehalten haben. Leider kommt das immer wieder vor und man sollte eigentlich daraus lernen alles laufend schriftlich zu dokumentieren und rechtlich sauber festzuhalten. Aber so funktioniert ein Start up in seiner Geschwindigkeit eben nicht. Also hoffe ich weiter darauf mit den richtigen Gründern zusammenzuarbeiten

Warum sind sie nach 20 Jahren eigentlich noch Business Angel?

Weil die Freude zu sehen was durch die eigene Unterstützung wächst wunderbar ist. Und die Zusammenarbeit mit meistens viel jüngeren Gründern mich am Puls der Zeit und damit jung hält. Und ich – das gebe ich als Schwabe zu – nebenbei im Schnitt der Beteiligungen auch etwas Geld damit verdient habe

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