Vom Technologienetzwerk zum europäischen Gestalter

06.08.2026
In einem virtuelen Raum Stehen drei Menschen mit Datenbrillen© VDC

 Extended Reality, virtuelle Welten und digitale Zwillinge entwickeln sich zunehmend von einzelnen Pilotanwendungen zu produktiv eingesetzten Werkzeugen. Für Unternehmen entstehen dadurch neue Chancen. Zugleich wachsen die Anforderungen an Technologieauswahl, Integration, Qualifizierung, Sicherheit, Interoperabilität und regulatorische Konformität.

Mitglieder des VDC erhalten frühzeitig Orientierung in einem dynamischen Technologiefeld und können neue Entwicklungen gezielt für ihre eigene Innovationsstrategie nutzen. Das Virtual Dimension Center schafft dafür den Zugang zu Wissen, Netzwerken und Kompetenzen. Als unabhängiges Technologienetzwerk verbindet das VDC Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Bildungsträger, öffentliche Akteure und Technologieanbieter. Der jetzt veröffentlichte Jahresbericht 2025/2026 dokumentiert, welche Reichweite und Wirkung diese gemeinsame Arbeit inzwischen entfaltet.

Die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr, ob Extended Reality grundsätzlich funktioniert. Unternehmen müssen vielmehr entscheiden, wo der Einsatz wirtschaftlich sinnvoll ist, welche Lösungen zu ihren Anforderungen passen und wie sich diese sicher in bestehende Prozesse integrieren lassen“, Prof. Dr. Christoph Runde, Geschäftsführer des Virtual Dimension Center. „Das VDC stellt dafür Wissen, Kontakte, Infrastrukturen und Zugänge bereit, die einzelne Unternehmen allein nur mit erheblichem Aufwand aufbauen könnten.“


Orientierung in einem komplexen Technologiefeld
Ein Schwerpunkt der Arbeit des VDC liegt darin, komplexe technologische und regulatorische Entwicklungen in praktisch nutzbare Entscheidungsgrundlagen zu übersetzen. So erhalten Unternehmen die notwendige Orientierung, um Investitionen fundiert zu bewerten, Risiken frühzeitig zu erkennen und XR-Lösungen sicher in ihre Wertschöpfung zu integrieren. Dazu gehören Beratungsangebote, Markt- und Technologieinformationen sowie frei zugängliche Wissens- und Bewertungsinstrumente. Mit der XR-Compliance-Matrix hat das VDC eine Plattform geschaffen, die regulatorische Anforderungen, Normen und Standards mit konkreten XR-Anwendungsfeldern und Technologieeigenschaften verknüpft. Unternehmen können damit relevante Anforderungen früher erkennen und bei Entwicklung, Beschaffung und Einführung immersiver Systeme berücksichtigen. Die Matrix umfasst derzeit 14 Branchen- und Anwendungsfelder, 52 XR-spezifische Technologieeigenschaften sowie 260 regulatorische Anforderungsaspekte. Ergänzt wird dieses Angebot durch das XR- und Metaverse-Normenregister sowie eines der weltweit umfangreichsten XR-Glossare. Das Glossar enthält mehr als 4.300 Terminologie-Datensätze aus internationalen Standards. Das zugrunde liegende Register umfasst 1.222 Standards und Spezifikationen, 432 Richtlinien und Empfehlungen, 416 Arbeitsgruppen sowie 163 Standardisierungsorganisationen. Diese Instrumente helfen Unternehmen nicht nur bei der Orientierung. Sie machen auch sichtbar, wo technische, regulatorische oder normative Lücken bestehen und welche Entwicklungen für künftige Produkte und Geschäftsmodelle relevant werden können.


Zugang zu Projekten, Partnern und neuen Kompetenzen
Das VDC versteht sich nicht als reine Informationsplattform. Das Netzwerk bringt Partner zusammen, entwickelt Projektideen weiter und unterstützt beim Aufbau von Forschungs- und Innovationsvorhaben. Im Geschäftsjahr 2025/2026 war das VDC an acht öffentlich geförderten Projekten auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene beteiligt. Die Vorhaben beschäftigen sich unter anderem mit industriellen XR-Anwendungen, digitalen Zwillingen, beruflicher Qualifizierung, sicheren Einführungsprozessen, digitalen Ökosystemen und europäischen Strategien für virtuelle Welten. Für die Mitglieder entstehen daraus konkrete Beteiligungsmöglichkeiten. Unternehmen können eigene Fragestellungen einbringen, geeignete Forschungs- und Technologiepartner finden, neue Lösungen erproben und Ergebnisse in die industrielle Anwendung übertragen. Das VDC begleitet diesen Prozess von der ersten Projektidee über die Konsortialbildung und Fördermittelrecherche bis zum Wissens- und Technologietransfer. Damit wird das Netzwerk zu einer gemeinsamen Entwicklungsplattform, auf der aus betrieblichen Herausforderungen tragfähige Innovationsvorhaben entstehen können.


Internationale Entwicklungen mitgestalten
Eine besondere Stärke des VDC liegt in der Verbindung regionaler Unternehmensinteressen mit nationalen, europäischen und internationalen Entwicklungen. Das Netzwerk bringt seine Expertise über DIN in die deutsche Normung ein und wirkt als Liaison-Partner im ISO/IEC JTC 1/SC 24 mit. Darüber hinaus beteiligt sich das VDC an der Koordination der Metaverse-Standardisierung in der International Telecommunication Union und leitet die Technical Working Group Virtual Worlds bei StandICT.eu. Im europäischen NOVA-Projekt und im Umfeld der Virtual Worlds Association übernimmt das VDC zudem Verantwortung für die Standardisierung virtueller Welten. Dort werden strategische Grundlagen für die europäische Entwicklung des Themenfelds und eine künftige europäische Standardisierungsstrategie erarbeitet. Für die Mitglieder ist diese Arbeit von unmittelbarer Bedeutung. Technologische und regulatorische Entwicklungen können frühzeitig erkannt werden. Gleichzeitig können Praxiserfahrungen und Anforderungen aus Unternehmen in internationale Diskussionen eingebracht werden.

„Wir verbinden internationale Entwicklungen mit den konkreten Anforderungen der Unternehmen in Baden-Württemberg“, erklärt die VDC-Vorstandsvorsitzende Gabriele Zull. „Gerade in Zeiten schneller technologischer Veränderungen schafft das VDC Orientierung, Vertrauen und neue Kooperationsmöglichkeiten.“


Sichtbarkeit und Begegnung für die XR-Community
Das VDC schafft zugleich Plattformen, auf denen Unternehmen ihre Kompetenzen präsentieren, neue Kontakte aufbauen und aktuelle Anwendungen kennenlernen können. Im vergangenen Geschäftsjahr organisierte das Team 44 eigene Veranstaltungen, hielt 48 Fachvorträge und war auf 122 externen Veranstaltungen präsent. Ein besonderer Höhepunkt war die XR EXPO 2026. Die Veranstaltung feierte ihr zehnjähriges Bestehen und fand erstmals auf dem Gelände der Messe Stuttgart statt. Rund 1.350 Fachbesucherinnen und Fachbesucher aus mehr als 25 Ländern, 61 ausstellende Unternehmen und mehr als 100 Speaker machten die XR EXPO zu einem zentralen Treffpunkt für Wirtschaft, Forschung, Politik und Anwender. Im Mittelpunkt standen skalierbare Anwendungen für den produktiven Einsatz. Gezeigt wurden unter anderem Lösungen für virtuelle Produktentwicklung, digitale Fabrikplanung, Training, Wartung, digitale Zwillinge und neue Formen der Mensch-Technik-Interaktion. Für die Mitglieder des VDC entstehen dadurch vielfältige Möglichkeiten zur Präsentation. Ergänzt werden diese durch Fachveranstaltungen, Arbeitskreise, Gemeinschaftsauftritte, Pressearbeit, Newsletter, digitale Kommunikationskanäle und die Vermittlung von Kontakten.


Ein Netzwerk zum Mitgestalten
Der Jahresbericht 2025/2026 zeigt das VDC als Plattform, die technologische Expertise, praktische Anwendung, Forschung, Standardisierung und Kommunikation miteinander verbindet. Sein Wert entsteht aus dem Zusammenspiel der Mitglieder und Partner. Bestehende Mitglieder können eigene Themen und Projektideen in das Netzwerk einbringen. Sie können sich an Arbeitskreisen, Veranstaltungen, Forschungsprojekten und internationalen Aktivitäten beteiligen. Zugleich erhalten sie Zugang zu Wissen, Kontakten und Präsentationsmöglichkeiten. Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Organisationen, die sich mit Extended Reality, virtuellen Welten, digitalen Zwillingen oder angrenzenden Technologien beschäftigen, sind eingeladen, das VDC und seine Angebote kennenzulernen.

Der Jahresbericht 2025/2026 ist abrufbar unter: VDC-Jahresbericht – Geschäftsjahr 2025/2026 .